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Im Elsass war die Mundart lange ein Politikum Autor: Gernot Jäger
Bearbeitet: 21.11.2007 durch HN
Auf der französischen Seite des Rheins, im Elsass, im wunderschönen Elsass, wo man so gut isst, da war die Mundart lange ein Politikum. Das Elsass, die Region zwischen Rhein und Vogesen, war Jahrhunderte lang zwischen Frankreich und Deutschland umkämpft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es endgültig ein Teil Frankreichs.


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“Unsere Muttersprache ist leider im Verschwinden. Weil unsere Kinder es nicht mehr so hören.” sagt Henri Scherb, Jahrgang 1940 und Kriegskind. Er durfte seine Muttersprache als Kind in der Schule nicht sprechen, hat später dann als Deutschlehrer für sie gekämpft. “... und wenn die Kinder jetzt in die Schule kommen, das habe ich an meinen Kindern gesehen, dann geben sie nach drei Monaten auf Französisch Antwort. Das heisst, die Schule macht unsere Muttersprache kaputt.” Und das Wort von der Muttersprache meint er dabei ganz wörtlich. “Mit meiner Mutter kann ich nur Elsässisch sprechen. Ich hätte den Eindruck, ich hätte Hörner an, wenn ich entweder Hochdeutsch oder Französisch mit ihr sprechen würde. Also spreche ich mit d´r Mama red i numma Elsasserdytsch.” Seit den Tagen, als Henri Scherb Lehrer war, ist in vielen Orten des Elsass einiges anders geworden.

In Ingersheim zum Beispiel. Ein Örtchen zwischen Colmar und Kaysersberg. Strassen wie Postkartenmotive, ordentlich gepflastert, überall Blumen vor frisch renovierten alten Häusern. In dem kleinen Städtchen leben 4.500 Menschen. Wer “Elsässer” ist, und wer “Franzos”, spielt heute längst nicht mehr die Rolle, die es noch vor 30, 40 oder 50 Jahren gespielt hat. Die Dinge sind normaler geworden. Auch in den Schulen. “Viele Kinder bleiben in der Schule bis halb Sieben. Da wird alles auf Elsässisch gemacht. Also, die lernen Elsässisch, Deutsch und Französisch.”

Gérard Kronenberg ist der Bürgermeister von Ingersheim. Das Elsässisch an der Schule kommt super an, und zwar nicht nur bei Familien, die schon seit Generationen im Elsass leben. “Ja, natürlich, sind Kinder, sind Türken bei uns, die lernen Elsässisch und sprechen das ganz, ganz perfekt, ja. Und auch Marokkaner, die sind alle Eingewanderte von Ingersheim, die sprechen auch Elsässisch, natürlich!”

Die Erfolge hier und da können aber nicht über die Probleme hinwegtäuschen: Die mittlere Generation spricht ihr Elsasserdytsch nur noch bei Familientreffen, und viele Kinder wachsen ausschliesslich mit Französisch auf. Vor allem die Älteren wehren sich gegen den Niedergang. Sie finden sich in Theatergruppen zusammen, in Musikgruppen und beim Kabarett auf Alemannisch - ganz ähnlich wie in Deutschland oder in der Schweiz.
Gernot Jäger auf http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1383904,00.htm
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