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Kraftwerk und Schleuse Kembs, Petite Camargue Alsacienne Autor: Hugo Neuhaus-Gétaz
Bearbeitet: 25.03.2015
0911 Ausschreibung
Kraftwerk und Schleuse Kembs, Petite Camargue Alsacienne

Datum: Samstag, 24. September 2011

Besammlung/Abfahrt: 8.45 Uhr/ Abfahrt 9.00 Uhr
Treffpunkt: Bushalt Meret Oppenheimstr., Basel (Gundeli)

Teilnehmerzahl: 30 - 50 Personen

Rückkehr: ca.18 Uhr Meret Oppenheimstr., Basel

Reiseleitung: Gérard Kielwasser / Werner Schwarzwälder / Ursula Schmitt

Kosten: CHF 87.00 / € 70.00



Wir treffen uns alle wie gewohnt am Bushalt Meret Oppenheimstrasse, bevor wir uns auf die kurze Fahrt bis zu unserem ersten Ziel, dem Kraftwerk Kembs, aufmachen.

Vor einer Führung im Kraftwerk gibt es den traditionellen Kaffee-Halt
direkt vor Ort, je nach Witterung, entweder bei Rhin & Decouverte, einem Treffpunkt am Grand Canal d’Alsace auf dem Gebiet des Kraftwerks und der Kembser Schleusen im Grünen oder einem in der Nähe gelegenen Restaurant.

Der Rhein als Wasserstrasse

Der Rheinabschnitt von Basel bis Mainz wird als Oberrhein bezeichnet. Er durchfliesst die oberrheinische Tiefebene, die im Laufe von Millionen Jahren und verschiedenen geologischen Entwicklungen entstanden ist.

Der Flusslauf ändert sich ständig. Durch Sand- und Kiesablagerungen entstehen Inseln, die durch Hochwasser wieder mitgerissen werden. Es entsteht eine Überschneidungszone zwischen Land und Wasser, die Vegetation passt sich den Gegebenheiten an und es bilden sich typische Auenlandschaften. Die regelmässigen Überflutungen, die Versumpfung von Gebieten, Stechmückenplagen, Krankheiten, die durch die Feuchtbiotope gefördert werden und immer wieder aufflammende Grenzstreitigkeiten - Dörfer liegen nach einem Hochwasser plötzlich auf der anderen Rheinseite und ändern so immer wieder ihre Landeszugehörigkeit - führen zu Plänen einer Rheinbegradigung. Hinzu kommt der Wunsch, den Rhein ab Basel schiffbar zu machen und so eine Verbindung zur Nordsee zu schaffen, dies aber erfordert eine Mindesttiefe des Rheins.

1809 erstellt Johann Gottfried Tulla erste Pläne zur Begradigung des Rheins; diese werden1817 bis 1876 umgesetzt. Flussschlingen werden durchstochen und der Rhein begradigt.

Die Begradigung führt jedoch zu neuen Problemen: Der Rhein gräbt sich tief in sein neues Bett und so sinkt das Grundwasser. Bei Niedrigwasser ist kaum Schifffahrt möglich und rheinabwärts nehmen die Schäden durch Hochwasser zu.

Deshalb wird die Rheinregulierung durch Bauten im Fluss fortgesetzt. René Koechlin entwickelt das Projekt des Rheinseitenkanals (Grand Canal d’Alsace), der der Schifffahrt und der Energieerzeugung dienen soll. Zwischen Basel und Strasbourg sind acht Schleusen vorgesehen. 1925 kann der Bau des Grand Canal d’Alsace beginnen.

Der Bau des Kraftwerks Kembs wird von 1928-1932 realisiert. Während des Zweiten Weltkriegs mehrmals beschädigt und wiederaufgebaut, wird es 1946 – anlässlich der Gründung der Electricité de France (EDF) – verstaatlicht. Das Werk gilt als ein Musterbeispiel der Industriearchitektur der 30er Jahre.

Die vier Schleusen im Grand Canal d’Alsace (Kembs 1932, Ottmarsheim 1956, Fessenheim 1956, Vogelgrun 1959) führen zu Sohlenerosion, Grundwasserabsenkung und Austrocknung der Auen des „Restrheins“. Man entscheidet sich, für den Bau der restlichen vier Schleusen bis Strasbourg (Marckolsheim 1961, Rhinau 1963, Gerstheim 1967, Strasbourg 1970) für die Schlingenlösung. Dazu umfasst jede Einrichtung ihre eigene Wehranlage, die das Rheinwasser in einen Zulaufkanal abzweigt. Die Kraftwerks- und Schleusenanlage werden an diesem Seitenkanal des Flusses gebaut. Das Wasser wird nach Überwindung der Staustufe wieder dem Rhein zugeführt. Dadurch wird zwar der Wasserstand verbessert, das Problem bleibt jedoch die Sohlenerosion, die man unterhalb Strasbourg bei Gambsheim 1974 und Iffezheim 1977 durch Vollausbau bzw. Ausbau im Flussbett und Geschiebezugabe zu lösen versucht.

Aufgrund der verkehrsstrategisch günstigen Lage des Rheins an und zwischen wichtigen Wirtschafts- und Industriegebieten Europas hat die Rheinschifffahrt eine lange und bedeutende Tradition. Heute gehört der Rhein zu den am stärksten befahrenen Wasserstrassen der Welt. Er ist für Massengüter und Container der bevorzugte (weil billigste) Transportweg und heute von Rheinfelden bis Rotterdam durchgängig schiffbar.

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Nach dem ersten, eher technisch orientierten Teil unseres Anlasses besteigen wir erneut den Bus und lassen uns zu einem wohlverdienten Mittagessen nach Village-Neuf chauffieren. Dort angekommen, bleiben wir dem Rhein treu und lassen uns im Restaurant „Piste du Rhin“, direkt am Rheinufer, nieder.
Frisch gestärkt geht es nach dem Mittagessen weiter zum zweiten Teil des heutigen Anlasses, einem Besuch der Petite Camargue Alsacienne. Hier kommen pflanzen- und tierliebende Elsass-Freunde ins Schwelgen.



Petite Camargue Alsacienne

Zwischen Bartenheim-la-Chaussée, Rosenau, Village-Neuf und Saint- Louis ist praktisch vor den Toren Basels ein besonderes Naturschutzgebiet entstanden, das sich heute über 120 ha erstreckt und mit seiner Flora und Fauna einzigartig ist.

Einer Gruppe von Naturschützern verdanken wir, dass die letzten Rheinauen unterhalb von Basel gerettet werden konnten. 1973 erhielt die Gruppe das Nutzungsrecht für einen Teil des ehemaligen Fischzuchtgebietes und 1978 als „Amis de la Petite Camargue“ die Pacht des ganzen Gebietes. 1982 ist es als erstes Naturschutzgebiet im Elsass ausgewiesen. Unser Ehrenmitglied André-Paul Weber war einer der Mitbegründer.

Die Forschungsstation der Petite Camargue befindet sich in den Gebäuden der ehemaligen „Kaiserlichen Fischzucht von Hüningen“, die 1852 zur Zeit Napoléons III. unter der Leitung von Prof. Jean Victor Coste in dem Ueberschwemmungs-gebiet des Rheins entstand.

Das Gelände der „Kaiserlichen Fischzucht Hüningen“ besteht aus verschiedenen Gebäuden. Zum Teil sind sie von Forschern und Praktikanten bewohnt. Die Forschungsstation bietet prinzipiell Gastrecht für Forschende aus allen wissenschaftlichen Disziplinen. Ein Besucherzentrum bietet Ausstellungen an über den Rhein und das Naturschutzgebiet, die Fischzucht, die Wiedereinführung des Lachses in den Rhein. Zudem hat man mehrere Rundwege und einen botanischen Lehrpfad mit verschiedenen Aussichtspunkten angelegt.

Von der neu eingerichteten Maison Eclusière am Hüningerkanal gehen wir gemeinsam den wunderschönen Weg bis zum Besucherzentrum der Petite Camargue Alsacienne. Dort werden wir in den Genuss von zwei kurzen Führungen kommen: Die Dauerausstellung “Memoire du Rhin“ informiert uns über die Geschichte des Rheins (ca. 45 Min.), im gegenüberliegenden Gebäude wird uns die Ausstellung „Memoire du Saumon“ gezeigt (ca. 30 Min.).

Teilnehmer, die den Weg (ca. 1 Stunde hin und zurück) nicht unter die Füsse nehmen möchten, können sich in der Zwischenzeit bei der Maison Eclusière aufhalten. Bei guter Witterung ist es ein Vergnügen, einfach nur die Augen spazieren zu lassen und die einzigartige Umgebung zu geniessen.

Zum Abschluss des Tages treffen wir uns alle in der Maison Eclusière und lassen den Tag ausklingen, bevor wir uns auf den kurzen Heimweg machen.
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