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Ehrenmedaille für "E FRIEHJOHR FER UNSERE SPROCH"

Laudatio von Dr. Robert Heuss, Präsident des Kulturvereins Elsass-Freunde Basel, anlässlich der Verleihung der Ehrenmedaille der Regio Basiliensis an den Verein «E Friehjohr fer unseri Sproch» bei der Generalversammlung der Regio Basiliensis im Forum Jean-Marie Zoellé, Saint-Louis, 9. September 2021  

Madame le Maire,

Je suis très heureux de pouvoir prendre la parole dans votre ville, et dans ce Forum qui porte le nom de votre prédécesseur Jean-Marie Zoellé qui nous a fait l’honneur d’accueillir notre Association lors de notre Assemblée générale de 2018 (Deuxmilledixhuit) à Saint-Louis.
Je saisis cette occasion pour vous remercier d’avoir accordé une interview ce printemps à notre publication « Elsass-Gazette » dans laquelle vous avez souligné vos liens familiaux étroits avec la Suisse et plus particulièrement avec Bâle, dont profitera sans doute la coopération transfrontalière, qui est au cœur des activités de la « Regio Basiliensis » - et de la nôtre !

 

Liebe Frau Amacker, lieber Herr Friesecke,

Ich möchte Ihnen recht herzlich dafür danken, dass Sie mir die Ehre erweisen, in Ihrem Namen die Laudatio auf die diesjährige Preisträgerin der «Ehrenmedaille für besondere Verdienste um die Regio-Idee», den Verein «E Friehjohr fer unseri Sproch», halten zu dürfen.

Liebe Mitglieder und Gäste der Regio Basiliensis,  
Sie haben sich vielleicht gefragt, wie der Präsident eines Basler Vereins dazu kommt, eine Lobrede auf einen Elsässer Verein zu halten. Die Antwort ist einfach: Das Ziel von «E Friehjohr fer unseri Sproch», die Förderung – und heute muss man fast schon sagen die Rettung - der Elsässischen Dialekte, ist auch seit 1985 einer der Schwerpunkte der Elsass-Freunde Basel, für den wir 2014 den «Grand Bretzel d’Or» erhalten haben. Unser Engagement für alle Dialekte unserer Region kommt seit bald 20 Jahren an unserem jährlichen Literarischen Abend mit Mitwirkenden aus allen drei Ländern zum Ausdruck, durch Beiträge in unserer vierteljährlichen «Elsass-Gazette» und nicht zuletzt durch unsere aktive Mitwirkung am Zustandekommen des DreylandDichterwegs Basel-Hüningen-Weil am Rhein, der vor 5 Jahren eröffnet wurde. Ich hoffe, dass dieser «Leistungsausweis» genügt, damit ich als Präsident der Elsass-Freunde heute diese Laudatio halten darf. Um unsere sprachliche Gemeinsamkeit in der Regio zu unterstreichen, wechsle ich jetzt ins Baseldytsch:

(von hier an auf Baseldytsch)

Liebe Herr Präsident Justin Vogel, liebi Ehrepräsidente Bernard Deck und Raymond Bitsch, liebi Ehre-Vizepräsidentin Huguette Dürr,

D Gründig vom Verein «E Friehjohr fer unseri Sproch» vor 20 Joohr isch für sälli Zitt e revolutionäri Idee gsi, und au si Namme isch e Symbol: Noch em lange sprochliche Winter het sich im Lauf vo de 1990er Joohr noh di noh e Frühjoohr fürs Elsässische akündigt: Es het die erste zweisprochige Schulklasse gä, s «Office pour le Bilinguisme» isch gründet worde, s hüttige «Elsässische Sprochamt» (OLCA), wo siter so öppis wie dr operativi Arm vo «E Friehjohr fer unseri Sproch» worde isch. Glichzittig sin privati Verein wie «ABCM Zweisprachigkeit» und «Junge fers Elsässische» und vieli witeri entstande, und «E Friehjohr fer unseri Sproch» het sich zum Ziel gsetzt, alli die Initiative und au die viele Theatergruppe im ganze Elsass zämme zfiehre, um em Elsässische zum Durchbruch zverhälfe. Dr Astoss zer Gründig het 2001 dr Bernard Deck gä, damals Redakter vo dr katholische Wuchezittigg «L’ Ami Hebdo»/ «Der Volksfreund» - dr ältiste Zittig im Elsass. Unter de Mitbegründer vom Verein sin au drei Mitglieder vo de Elsass-Fründ Basel gsi: Dr Yves Bisch, dr Gérard Leser und dr Raymond Bitsch. Är het 2011 d Nochfolg vom Bernard Deck übernoh; sit 2016 wird dr Verein vom Justin Vogel präsidiert, wo glichzittig Präsident vom OLCA isch.  

Im Hintergrund het au dr kürzlich verstorbeni ehemaligi Präsident vom Generalrot vom Oberelsass, dr Henry Goetschy, mitgwirkt, dä elsässischi Politiker, wo sich am meischte für d Verteidigung vom elsässische Erbgut engagiert het. Das sag nit ich, sondern d’Delphine Wespiser, Miss France 2012, wo sich ebenfalls für dr Dialäkt isetzt, im Vorwort zu de Memoire vom Henry Goetschy. 

Ds Programm vo «E Friehjohr fer unseri Sproch», wo am Afang nur für e Wuche plant gsi isch, het sich im Lauf vo de Joohr zunere grossartige Serie vo bis zu 700 Verastaltige usgwitet, wo jeweils vo März bis Juli im ganze Elsass stattfinde. Die Spannwiti goht drbi vo Witz- und Lach-Öbe, Dialäkt-Stammtisch, Dichterläsige, Vorträg, Gsangs-Öbe, Cabaret- und Theateruffüehrige, Märli für Kinder und Kaffikränzli für Seniore bis zu Gottesdienst, alles auf Elsässisch, zum Bewis, dass me die Sproch in alle Berich vom Läbe rede, höre, singe und schribe ka. Und als Bewis, dass dr Dialäkt kei minderwärtige Sproch isch, grad guet gnueg für Folklore und Schimpfwörter, sondern e Literatursproch, wo s mit Französisch und Hochdütsch durchus ufnäh ka. Drfür stöhn Nämme wie Nathan Katz, Claude Vigée und André Weckmann, um numme die drei z’nenne. 

Dr Verein konzentriert sich aber nit allei uf dr Dialäkt, sondern bietet au Verastaltige in alle drei Sproche a: Elsässisch, Französisch und Hochdütsch, und widerlegt dodermit dr oft ghörti Vorwurf, dass sich d Verfächter vom Dialäkt us dr Mehrheitsgsellschaft zrückzieh wän – dr berihmti «repli sur soi-même». Im Gegeteil, «E Friehjohr fer unseri Sproch» baut Brucke zwüsche de Sproche und wirkt dodermit ganz im Geischt vom André Weckmann und sinere «Triphonie», in däre alli drei Sproche glichberächtigt mitenander läbe und sich gegesitig befruchte. Genau in däm Geischt und in alle drei Sproche schribe au drei Dichter, wo de Elsass-Fründ aghöre: dr Gérard Leser, dr Edgar Zeidler und dr Jean-Chrischophe Meyer. 

Näbe de alemannische und fränkische Dialäkt im Elsass förderet «E Friehjohr fer unseri Sproch» au das ebefalls fränkischi «Platt» im lothringische Departement Moselle und vernochlässigt au kleineri Sproche wie s romanische «Welche» und s Jiddisch nit und bringt dodermit die ganzi sprochlichi Vielfalt vom Elsass und vo Lothringen zum Usdruck.

Dr Vorwurf, dass der Ysatz fürs Elsässischi e Hindernis zum Lehre vom Hochdütsch darstelli, goht drnäbe, denn es isch erwiese, dass dr Dialäkt, us däm jo im Lauf vo de Joohrhunderte s hütige Hochdütsch entstande isch, dr best Wäg isch, d Sproch z lehre. Und Hochdütsch isch jo au nit in Gfohr – und s Französisch no viel weniger – aber s Elsässisch isch es! Es het kei so starki «Lobby» wie die beide andere Sproche, drum sin Initiative wie «E Friehjohr fer unseri Sproch» umso wichtiger. Was es uf jede Fall z vermide gilt, isch, die Sproche gegenenander uszspiele. S Elsass brucht alli drei, jedi zu siner Zitt und zur passende Glägeheit! 

Zur Förderig vo dr elsässische Kultur im witischte Sinn het der Verein gli am Afang vo sinere Tätigkeit s «Friehjohrs-Schwälmele» ins Läbe grufe, e Pris, wo an Einzelpersone, aber au an Gmeinde,  Verein und Undernämme verliehe wird, wo sich besonders für die elsässische Kultur in ihre vielfältige Forme einsetze. Als Hauptpris wird für ganz besonderi Verdienst ab und zue s «Goldschwälmele» verliehe. Jedes Joohr wärde 2-3 Gmeinde gehrt, indäm sie sich neben ihre offizielle Ortstafele zusätzlich mit em Schild «Mer rede au Elsässisch» schmücke dörfe, wie’s im Oberland heisst, oder «Mer redde au Elsässisch» im Unterland. Das zeigt, dass der Verein au die unterschiedliche Variante vo de Dialäkt berücksichtigt! Durch die Schilder wird dr Dialäkt au im öffentliche Ruum sichtbar, und mängi Gmeind, drunter au d Stadt Mülhuse, hän sich sither drvo inspiriere loh, au ihri offizielle Ortstafele im Dialäkt azschribe.  

Bi dr erste Prisverleihig 2002 sin grad zwei Mitglieder vo de Elsass-Fründ geehrt worde: Dr Yves Bisch und dr Gérard Leser, sowie e Schriftstellere, d Danielle Crévenat-Werner, und e Liedermacher, dr Pierre Specker, wo an unsere Literarische Öbe aufträtt sin. Die Lischte vo de «Schwälmele»-Pristräger- und trägerinnen unter de Elsass-Fründ oder vo Mitwirkende an de Literarische Öbe umfasst siebe  witeri Nämme: 

  • d Isabelle Grüssenmeyer
  • dr Edgar Zeidler (wo inzwüsche Vorstandsmitglied vo unserem Verein isch)
  • dr René Egles (wo 2009 s «Goldschwälmele» bichoh het)
  • d Liliane Bertolini
  • dr Jean-Chrischophe Meyer und 
  • dr André und d Jacqueline Baumert    

«E Friehjohr fer unseri Sproch» isch in de letschte 20 Joohr zu nere richtige Erfolgsgschicht worde und het wäsentlich drzu bitrait, dass s Elsässisch wieder sicht-, hör- und läsbar worde isch, au wenn s no lang nit über e Bärg isch. S «Friehjohr» isch hüt e Markezeiche, hinter däm dr Verein, wos ins Läbe grufe het, fasch e weneli in dr Schatte grote isch. Umso wichtiger isch es, dass ihn die hüttigi Verleihig vo der Ehrenmedaille vo dr Regio Basliensis wieder ins Rampeliecht ruckt! Im Namme vom Kulturverein Elsass-Fründ Basel gratulier ich dr Pristrägerin vo Härze und wünsch ihre viel Erfolg für ihri  witeri wichtigi Tätigkeit, verbunde mit dr Hoffnig, dass unseri beide Verein in Zukunft nit numme dur unseri gmeinsame Mitglieder, sondern au als Institutionen änger zämmeschaffe könne. Und obwohl sich unseri schwizerische Erfahrige mit em Dialäkt nit eins zu eins ufs Elsass übertrage löhn, hoff ich, dass mer zmindest e moralische Bitrag zur Stärkig vom Elsässische im Sinn von ere Ermutigung leischte könne! 

Zum Schluss darf ich Ihne die offizielle, vo dr Regio Basiliensis verfassti Laudatio vorläse:

Für sein grosses und vorbildliches Engagement für die Regio Idee und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird dem Verein «E Friehjohr fer unseri Sproch» die Ehrenmedaille für besondere Verdienste um die Regio-Idee verliehen. Wir gratulieren herzlich.

Däre Gratulation schliesse mir is gärn a!

Ich dangg Ihne!

 

09.09.2021/HJR/RH